Im Frauenkreis - ein Brigid Ritual in der Lohe
Die Lohe weiß geworden über Nacht. Doch es war kein Schnee, der sich aufs Land gelegt hatte, winzige Eiskristalle überzogen die Apfelbäume, die Wiese und das Totholz. Die Maulwurfshügel waren gefroren, bildete kleine unerwartete Hindernisse. Ich stolperte über die Streuobstwiese, mühsam erklomm ich den Wall. Dahinter versank die Welt im Nebel.
Heute Abend war Frauenkreis und ich war da, um mich vorzubereiten. Dabei schaue ich immer, was ist gerade dran, wozu ruft es mich jetzt hier an diesem Tag. Was wollte mir der Nebel und der Frost sagen?
Gestern war der Himmel noch strahlend blau und klar gewesen, der genaue Gegensatz zu heute. Und war es genau richtig so, beides erzählt von der Qualität des Januar. Das Zurückkommen des Lichts, die klaren, sonnigen Tage. Und das Innehalten, das “noch nicht”, das Warten und in sich Versunken sein.
Noch ist es nicht Zeit hinauszugehen, um das Feld zu bearbeiten, das macht keinen Sinn bei einem frostigen Boden. Noch dürfen wir träumen und visionieren, und an den die ersten lichten Tage schon mal den kommenden Frühling schnuppern.
Im keltischen Jahreskreis, wie er uns überliefert ist, begann der Frühling schon Anfang Februar mit der Feier von Imbolc am ersten Februar, im christlichen Jahreskreis steht an dieser Stelle Mariä Lichtmess am 2. Februar.
Imbolc ist auch der Festtag der heiligen Brigid oder auch der Göttin Brigid, die im keltischen und christlichen Irland verehrt wurden. Brigid ist eine der Beispiele, wo sich keltischen und christliche Mythen ineinander verflechten und kaum mehr voneinander getrennt betrachtet werden können. Das liegt auch daran, dass Irland bereits im 4. und 5. Jahrhundert christianisiert wurde (lange vor den Germanen des mitteleuropäischen Festlands, die teilweise von irischen Missionaren bekehrt wurden). So wird von der Heiligen Brigid erzählt, sie habe im 5. Jahrhundert in Kildare gelebt. Sie wird verehrt als Hüterin des Herdfeuers, für ihre Gastfreundlichkeit und ihre Liebe zu den Menschen.
Mariä Lichtmess am 2. Februar wird ab dem 7. Jahrhundert mit einer Lichterprozession in Rom gefeiert, die vermutlich auf pagane Traditionen zurück. Später fiel die Prozession weg, übrig bliebt die Lichterweihe der Kerzen im Gottesdienst.
Ein andere Variante dieses Kirchenfests ist mit dem Namen Mariä Reinigung verbunden: Das bezieht sich darauf, dass sich Maria 40 Tage nach Jesu Geburt rituell reinigte, bevor sie den Tempel betrat und Jesu den Priester vorstellte (darum firmiert dieses Fest heute als Darstellung des Herrn im Kirchenkalender).
Der Aspekt der rituellen Reinigung ist für mich immer schwer nachzuvollziehen, vor allem wenn er als Gebot auftritt, bzw. impliziert, dass vorher jemand “unrein” ist. Doch wenn ich die Wertung rausnehme, dann steckt dahinter etwas sehr wertvolles: das Loslassen dessen, was mir nicht mehr dient, was ich gerne abgeben möchte .
All diese Aspekte - das Reinigen und Loslassen, das still sein und Innehalten, um das kommende Licht zu erahnen und zu nähren - gingen mir durch den Kopf, als ich auf dem Wall in der Lohe stand. Nach und nach formte sich, was an diesem Abend passieren wollte. Es war wieder Zeit für Ritual.
Es fällt mir immer schwer, von Ritualen zu erzählen, einfach, weil es heilige Momente und Orte sind. Und es gibt auch keine Bilder, die die Geschichte erzählen würden, auch das ist bei allen meinen Ritualen so. (Das obige Bild stammt aus einer Fotosession mit Hannielore Anders.)
Ein Versuch:
Die Nacht deckte ihren Mantel über die Lohe, Frost überzog Bäume und Gräser. An der Birke brannte das Feuer. Dort wartete Brigid im weißen Gewand. Von ferne zogen die Lichter der Laternen heran, eine Frau nach der anderen trat vor, vertraute Brigid an, was sie loslassen wollte.
Sanft, mit der Kraft der Adlerfeder, strich Brigid alles ab, was die Frau festhielt und gab ihr den Auftrag, sich in der Lohe, von dem, was sie im kommenden Jahr nähren wollte, finden zu lassen.
Jede ging für sich, bis ein Lied sie wieder ans Feuer lockte. Gemeinsam bezeugten die Frauen ihre Vision, flüsterten sie in ihre Kerzen, und sangen:
“Ich bin frei, meine eigene Geschichte zu erleben, mein Schicksal zu weben.”
So viel mag ich erzählen. Der Rest, die Magie der Nacht, die Wärme des Feuer, den Klang der Stimmen, die sich ineinander verwoben - das müsst ich euch einfach vorstellen. Es war wunderschön und zutiefst verbunden.
Ich bin sehr dankbar, dass ich diesen Kreis halten darf. Er ist für mich das Zentrum meiner Arbeit, von hier geht alles aus, hier fließt alles wieder ein. Einige der Frauen sind schon sehr lange dabei, andere erst seit kurzem, einmal im Jahr wandelt sich der Kreis und nimmt eine neue Form an. Bald ist es wieder soweit, Ende Februar startet der nächste Frauenkreis. Aktuell sind zwei Plätze darin frei. Wenn du daran Interesse hast, melde dich am besten via Mail bei mir an info@kathrin-blum.de.
Ort: Wentorf in der Lohe (S-Bahn Gebiet HH)
Zeit: einmal im Monat montags.
Wenn du mehr zu Brigid und Mariä Lichtmess erfahren willst: Eva Klinke und ich haben für unseren Jahreskreis “Dein Weg nach Hause” ein Journal erstell, das findest du in meinem Shop. Alle, die sich hier in die Mailingliste zu Evas und meinem kostenfreien Webinar am 13.02.25 um 19.30 eintragen, bekommen als kleines Dankeschön einen Code geschenkt, mit dem sie sich das Journal kostenfrei herunterladen können.